Matthias Schurade
Landesliga 2009/2010
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© 2010 Matthias Schurade
 

1. Runde am 18.10.2009 Fürstenwalde - Marzahna 7-1, MS

In der Trebuser Gaststätte "Seeblick" fand unser erster Wettkampf der neuen Landesliga-Saison statt.
Mit unserem Gegner hatten wir in den letzten Jahren nur gute Erfahrungen sammeln können. Und auch diesmal enttäuschten sie uns nicht.
Zur Zeitkontrolle stand es bereits 3,5-0,5. Norbert hatte seinen überforderten Gegner nach ca. 2 Stunden bezwungen und konnte sich den kulinarischen Genüssen des Restaurants widmen. Meine Gegnerin hatte ihre passive, auf Remis ausgerichtete Partieanlage durch einen groben Fehler selbst entwertet. Ihr aussichtsloser Widerstand hinderte mich aber, Norbert am Mittagstisch Gesellschaft zu leisten. Johannes verdarb eine klar bessere Stellung (Bauerngewinn durch Läufereinschlag auf h7) zum Remis. Und Jana bestrafte ein Versehen ihres Gegners mit Figur- und Partiegewinn.
Bei weiteren 3 Gewinnstellungen und einer remis-verdächtigen Stellung am Spitzenbrett, stand nur die Höhe des Sieges in Frage. Helmut und Hartmut machten dann den Sieg perfekt. Nach dem Remis zwischen Rainer Kleeschätzky und Ralf Schöne, rundete Wladimir mit seinem Sieg in der 5. Stunde den Wettkampf ab.

Und nun noch etwas für die schachliche Wissensauffrischung:

Rübe's kleine Taktikschule

Helmut Rübensam - Roland Schimmel

Dieser Stellung bietet eine gute Möglichkeit gleich mehrere taktische Motive in Erinnerung zu bringen:

  1. Die Ablenkung
    1.Dxd4 Dc7 2.Da7 +-
  2. Die Fesselung
    1.Dxd4 Dc7 2.Txd8+ Dxd8 3.Lxb5 +- (funktioniert im Übrigen auch ohne den Bauern c3)
  3. Die Folterung
    Rübe spielte cxd4 (!), um die Qualen seines Gegners zu verlängern.

2. Runde am 15..11.2009 VBSF Cottbus - Fürstenwalde 4-4, HH

Wir fielen bei Kaiserwetter wie einst die Waräger in die Rus,  nach Cosebutz ein, um die Friedensburg zu stürmen. Unser Anführer hieß nicht Rurik, sondern Rübe, aber daran kann es nicht gelegen haben. Das zusammengeschmolzene Häuflein der Cottbuser Getreuen leistete wackeren Widerstand. Jana wurde am achten Brett Opfer eines Pfahls im Fleisch. Hannes und Norbert ließen ihrer Friedfertigkeit freien Lauf (remis). Nur unser Urwaräger Wladimir zeigte seinem Gegner, wo die Harke hängt. Gegen Ben Oni (bedeutet nicht umsonst „Sohn des Kummers“) erteilte er dem Gegner eine Lektion. Damit stand’s im Unterhaus 2:2. Klee, Häuptling des Oberhauses, hatte schon bald den Kampf gegen Ilja eingestellt – remis. Ich stand nach der Eröffnung minimal besser, spielte aber ungenau gegen Karsten und musste mich seinem Remisangebot beugen. Die Niederlage vom vorigen Jahr steckte mir noch in den Knochen. Rübe hatte in alter Wikingermanier der fremden Frau einen leibeigenen Bauern geschenkt. In Zeitnot schenkte Kerstin ihn zurück – remis. Nun hing wie so oft alles an einem einzigen Mann, aber das soll er selbst erzählen, wie es zum gerechtesten aller Ergebnisse kam.

Die verpasste Chance I (M.Schurade)

Nach der Zeitkontrolle musste ich mit Erstaunen feststellen, dass alle anderen Bretter wie leergefegt waren. Und es Stand 3,5 : 3,5. Nun hatte ich die undankbare Aufgabe eine sehr remisliche Stellung vielleicht doch noch zum glücklichen Ende, sprich Mannschaftssieg zu führen.

Sehen wir wie es weiterging:

Matthias Schurade - Klaus Berndt

Stellung nach 41.Sc4-e3:

Klaus fasste, ohne Not, den mannhaften Entschluss die Bauern des Königsflügels aufzulösen.

41. ... g5 42.hxg5 hxg5 43.fxg5 f4 44.Sc4 Lg6 ? (und da war sie, die Gewinnchance, Lc6 ist besser und sollte zum Remis führen) 45.Se5 Lc2 (Kf5? 46.Sxg6 Kxg6 47.a4 Kxg5 48.b5 axb5 49.axb5 Kg4 50.b6 f3 51.Ke3 +-)

46.g6 ?? (der richtige Plan in falscher Zugfolge, 46.Sd3 f3 47.Sc5+ Kf5 48.Ke3 Kxg5 49.Kxf3 Kf5 50.Sxa6 Ke5 51.Ke3

es ist ein 6-Steiner entstanden, welcher bei beiderseits genauestem Spiel zum Matt in 38 Zügen führt. Wer's nicht glaubt, unter www.shredderchess.de die Stellung in die Endspieldatenbank eingeben und staunen, was alles für Züge möglich sind.)

Nach dem Verpassen der einzigen (!) realen Gewinnchance der Partie folgte noch:

46. ... Kf6 47.Sd3 f3! 48.Ke3 Lxd3 49.Kxd3 Kxg6 50.Ke3 Kf5 51.Kxf3 Ke5 52.Ke3 Kd5 53.a4 (Kd3 a5=) Kc4 54.b5 Remis

3. Runde am 29.11.2009 Fürstenwalde - Ludwigsfelde 5,5-2,5, MS

In der 3. Runde war mit dem Ludwigsfelder SC I der derzeitige Tabellenletzte bei uns zu Gast. Alles andere als ein (deutlicher) Sieg wäre für uns eine Enttäuschung gewesen. Leider mussten wir in den großen Saal der Gaststätte Seeblick ausweichen, was aber nicht der Grund für den recht zähen Verlauf des Wettkampfes war. Er begann mit einem schnellen Remis von Jana und einem schönen Sieg vom Ersatzmann Tobias recht hoffnungsvoll. Doch an den anderen Brettern zeichnete sich ein hartnäckiger Widerstand unserer Gegner ab. Rainer konnte einen Bauerngewinn langsam zum Sieg verwerten. Turbulent verlief der Kampf an Brett 5. Wladimir hatte Gewinnstellung (Mehrfigur) erreicht, befand sich jedoch wie sein Gegner in hoher Zeitnot. Dann stellte sein Gegner noch die Dame ein. Sie konnte 2 Züge lang einfach vom Springer eliminiert werden. Wladimir sah es nicht und stellte seinerseits die Dame in Schlagdistanz zur gegnerischen Dame. Der nahm das Geschenk dankend an. Helmut stellte den zwischenzeitlichen Stand von 3,5 zu 1,5 her. Da waren bereits über 4 Stunden vergangen. Ich selbst konnte in dieser Zeit keinerlei Vorteil erreichen. Nach der Abwehr 3-er Remisangebote übersah ich im Endspiel einen Bauernverlust, den mein Gegner zum Glück nicht verwerten konnte. Beim Stand vom 4 zu 2 und guten Stellungen in den verbleibenden 2 Partien war der Wettkampf faktisch entschieden. Interessanterer weise scheint sich das Auslassen guter Gewinnchancen in dieser Saison wie ein roter Faden durch unsere Wettkämpfe zu ziehen (siehe unten). Hartmut schaffte nur ein Remis und Norbert stellte mit seinem Sieg nach über 5 Stunden den Endstand her.

Die verpasste Chance II (M.Schurade)

Ich muss wohl eine schlechte Vorbildwirkung auf meine Mitstreiter haben, denn auch in dieser Runde konnte ein klarer Endspielvorteil nicht verwertet werden. Die folgende Stellung entstand nach dem 38. Zug von Schwarz:

Höckendorf - Grandt

39.Kg2 Sb2 40.c5 bxc5 41.bxc5 Kf8 42.c6 Ke7 43.c7?

[Nach 43.Lxf7! hätte Hartmut den Sieg sicher nach Hause geschaukelt. Sd3 (43...Kd6 44.Lxg6 Sc4 45.Le4 Se5 46.h4 g6 47.h5 gxh5 48.g6) 44.Lxg6 Se1+ 45.Kf1 Sf3 46.Ke2 Sxg5 (46...Sd4+ 47.Kd3 Sxc6 48.Ke4 f3 49.h4 Kd6 50.Lh5 Se5 51.Lxf3) 47.c7 Kd7 48.h4!

und der Springer ist hin +-]

43...Kd7 44.Lxf7 Sd3 45.Lxg6 Se5 46.Le4 Kxc7 47.h4 Kd6 48.Kh3 Ke6 49.h5 Kf7 50.Kh4 Ke6 51.Lb1 Kf7 52.Lf5 Ke7 53.Le4 Ke6 54.g6 Kf6 55.f3 Sd7 56.Kg4 Ke5 57.Kg5 Sf6 58.Lc2 Sg8 59.Lb3 Sh6 ½-½

4. Runde am 13.12.2009 Neuruppin - Fürstenwalde 4-4, MS

Der Wettkampfverlauf ist schnell geschildert.
Wir lagen nach den Niederlagen von Wladimir und Tobias nach 2 Stunden schnell im Rückstand. Ich konnte verkürzen, da mein Gegner sich in aussichtreicher Stellung (in großer Zeitnot) Matt setzen ließ. Hartmuts Gegner stellte den alten Abstand wieder her. Und wieder hatten wir Glück. Der Gegner von Johannes überschritt die Zeit. Er hatte wohl vergessen, dass auch bei großem Zeitvorsprung die eigene Uhr weiter läuft. Norbert konnte endlich ausgleichen. Die beiden letzten Partien sahen nach Remis aus. Bei Rainer ging es schnell. Rübe nutzte die volle Bedenkzeit und sicherte nach knapp 6 Stunden das Unentschieden. Wir waren wohl die Glücklicheren.

Schachlich Aufregendes gibt es nichts vom Wettkampf zu berichten. Anzumerken ist, dass die Regelfestigkeit selbst bei gestandenen Spielern verbesserungswürdig ist. Das liegt wohl an den häufigen Regeländerungen durch die Fide.
Etwas bedenklich ist unsere Auswärtsschwäche. Bei makelloser Heimbilanz und starkem Torverhältnis nur 2 Unentschieden auf fremden Terrain. Glücklicherweise dürfen wir diese Saison 5-mal zu Hause antreten. Und demnächst ist Empor Potsdam bei uns zu Gast.

5. Runde am 24.01.2010 Fürstenwalde - Empor Potsdam 2-6, MS

Leider mussten wir bei diesem Wettkampf auf unser erfolgsträchtiges Spiellokal in Trebus verzichten. Der Karneval hat nun mal Vorrang vor dem eher langweiligen Schachsport. Und so kam es wie es kommen musste. Wir verloren glatt mit 2-6. 4 Remise und 4 Niederlagen. Viel mehr gibt es nicht zu sagen, außer vielleicht, dass ein weiteres Mal Hartmut und ich mit auslassen von guten Chancen glänzten.

Höckendorf - Trenner

nach wilder Eröffnung (Wiener Partie) spielte Hartmut ungenau 11.Th2? 

Dabei hätte 11.Da5! b6 12.Dc3 c6 13.Lxd6 Dg6 14.e5 De4+ 15.Se3+- zu einer klar besseren (gewonnenen) Stellung geführt.

Grabow - Schurade

Ich fühlte mich unwohl in dieser Stellung, dabei hätte anstatt 18... hxg5?

die einfache Ablenkung 18...Lxb2! 19.Lxb2 Sf4 20.Df1 Sxg2 21.Dxg2 Lxf3-+ wohl die Partie gewonnen.

Beide Partieen endeten nach wechselhaftem Verlauf Remis.

6. Runde am 07.02.2010 Fürstenwalde - Lok Cottbus 5,5-2,5, MS

Gegen den Tabellenletzten war ein Sieg Pflicht. Auch wenn wir auch dieses mal in der ungeliebten Sporthalle spielen mussten. Doch der Wettkampf begann unerwartet schlecht. Ziemlich schnell verloren Wladimir und Tobias (Wladimir durch groben Fehler, Tobias durch schlechtes Spiel aus besserer Stellung). Bis zur 1. Zeitkontrolle konnten wir das Blatt wenden. Nach Siegen von mir (habe den Gegner nach einem schlechten Zug seinerseits zusammengeschoben), Norbert (siehe unten) und Hannes (stellte sich zwar bei der Verwertung einer gewonnenen Stellung ziemlich hilflos (blind) an) war der Wettkampf gewendet. Die restlichen Partien gingen alle über 6 Stunden. Helmut konnte nach wechselhaften Partieverlauf seinen Gegner über die Zeit heben; Klee gewann ein ausgeglichenes Turmendspiel; Hartmut remisierte eine bessere Stellung trotz einstellen eines ganzen Turmes.

Kutschka - Hellmann

Statt Sxe4 mit besserer Stellung für Weiß spielte Kutschka Dxe4 und verlor zwangsläufig

35.Dxe4 Lxc3 36.Dxe7 Df3+ 37.Kh3 Tf5 38.Ld4+ Lxd4 39.Txd4 Th5+ 40.Th4 Df1+ 41.Kg4 Df5#

Höckendorf - Holgert

Hier stellte Hartmut in Endspielstellung und beiderseitig hoher Zeitnot einen ganzen Turm ein. Durch Stellungsglück gelang ein Remis durch Dauerschach.

3.Le6 Sd4 4.Tb6 Sf3+ 5.Kf6 Sxh2 6.Ke7 Tb8 7.Ta6+ Kb7 8.b5 Td3 9.Tb6+ ½-½

7. Runde am 28.02.2010 Lok Brandenburg - Fürstenwalde 3-5, MS

Der Wettkampf gegen Lok Brandenburg gestaltete sich am Anfang recht einfach. Hartmut, als Schwarzspieler, erreichte sekundenschnell eine ausgeglichene Stellung gegen Hans-Rainer, so dass ein Weiterspielen nur vergeudete Zeit gewesen wäre. Stattdessen suchte man ein lauschiges Café auf. Jana bekam im reinen Frauenduell von Olga erst einen und dann noch einen Bauern geschenkt. Der Sieg war demzufolge mühelos. Dann verwertete Norbert seine überlegene Stellung gegen Klaus Müller. Rainer hatte mit dem Altmeister Günter Walter (immerhin schon 66 Jahre) schon die härteste Nuss zu knacken. Diese Partie endete nach spannendem Verlauf im ausgeglichenen Endspiel. Mein Gegner bot mir mit etwas skurriler Partieanlage die Gelegenheit schon nach 13 Zügen die beste Fortsetzung (siehe unten) auszulassen. Allerdings war die hübsche Kombination nicht ganz einfach zu sehen. Durch das Auslassen dieser Chance musste ich bis zum 36 Zug auf die Aufgabe meines Gegners warten. Vor der ersten Zeitkontrolle stand es nun schon 4-1 und Rainer und ich reisten vorzeitig ab, um dann im Internet festzustellen, dass nur noch Tobias einen Punkt zum Mannschaftsergebnis beisteuerte. Diesen allerdings zum 5-1, und damit zum Sieg im Wettkampf. Helmut und Wladimir hatten einen rabenschwarzen Tag erwischt, wurden mit den längsten Partien bestraft und mussten sich einigermaßen überraschend ihren Gegnern beugen.

Schurade - Schulz

Ich spielte Se3?, dabei hätte Sg5 die etwas eigenwillige Partieanlage meines Gegners sofort betraft.

14.Se3? [14.Sg5! fxg5 (14...Lxe2 15.Db3+-) 15.Lxg4 Sb6 16.Sxb6 cxb6 17.a4+-]

Die Partie endete im 36. Zug mit 1-0.

Runden 8 und 9

Der Vollständigkeit halber noch einer kurzer Bericht zu den Schlussrunden:

Mehr als ein 3. Rang war für uns nicht mehr drin und schon der 2. ist der 1. Verlierer.

Hier die Tabellen und Ergebnisse:

Runde 8

Runde 9

Endstand

Einzelergebnisse unserer Spieler